Großes AKTIV-Special: Wie Deutschland die Flüchtlingskrise anpackt

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Großes AKTIV-Special: Wie Deutschland die Flüchtlingskrise anpackt

Der gewaltige Strom von Asylbewerbern stellt uns vor eine riesige Herausforderung. Kann die Integration gelingen? AKTIV hat sich auf eine Deutschlandreise gemacht. Und Menschen hautnah beobachtet, die einfach handeln!

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Bensheim / Erlangen / Rheda-Wiedenbrück / Schwandorf / Hamburg / Essen. Der letzte Morgen ihres alten Lebens beginnt wie immer: Butterbrot mit Banane, dazu Kaffee, schwarz. Heike Kopp sitzt am Frühstückstisch, die Morgensonne schickt erste Strahlen durchs Küchenfenster. Die 53-jährige Unternehmerin will noch einen Moment der Stille genießen, allein, vor einem langen Arbeitstag.

Sie schlägt die Zeitung auf.

Ihr Blick fällt auf ein Foto.

Es zeigt eine Gruppe von Flüchtlingskindern. Verängstigt. Erschöpft. Kopp starrt auf das Bild. Es trifft sie ins Mark. „Gerade angekommen“, steht da, „Notunterkunft“, „Flüchtlingskrise“, „Zeltstadt Bensheim“. Bensheim? Nur ein paar Kilometer entfernt ist das. Kopp legt das Brot weg. Starrt wieder auf das Bild. Ihr Kaffee wird kalt. Ehemann Achim betritt die Küche. Sie bemerkt es nicht.

„Was ist los?“, fragt er.

„Ich muss was tun!“, sagt sie.

Bürger, Politik, Firmen, alle fragen sich: Wie schaffen wir das?

Das war im August. Monate später, an einem nasskalten Novembertag, lenkt Heike Kopp ihren weißen Audi über den Schotterparkplatz vor ebenjener Flüchtlings-Zeltstadt im hessischen Bensheim. Ein Syrer winkt freundlich, längst kennt man die Frau mit den blonden Haaren hier. Seit vier Monaten arbeitet Kopp nach Feierabend als Helferin im Lager. Tagsüber leitet sie die Kopp Schleiftechnik, einen Zulieferbetrieb der Auto- und Flugzeug-Industrie. Abends gibt sie hier Deutschkurse.

Für jeweils zwei Stunden hängen dann Asylbewerber aus Syrien oder Eritrea an ihren Lippen. „Ich kontrolliere Hausaufgaben, wir üben Vokabeln, Grammatik, Aussprache.“ Zwar gehe ihr neues Leben als ehrenamtliche Flüchtlingshelferin mitunter an die Substanz. „Aber ich muss hier einfach helfen“, sagt Kopp, während sie eine Tasche mit Lehrmaterial aus dem Kofferraum hievt. „Und ich glaube, dass wir die Flüchtlingskrise nur lösen können, wenn wir alle anpacken.“

Da könnte sie recht haben. Denn Deutschland im Winter 2015 – das ist ein Land im Ausnahmezustand! Über eine Million Asylbewerber werden wohl bis Jahresende ins Land geströmt sein. Unterbringung, Versorgung, Integration – eine epochale Herausforderung!



Knapp vier Monate ist es her, dass Kanzlerin Angela Merkel einen schlichten Dreiwortsatz in die Geschichtsbücher gemeißelt hat: „Wir schaffen das!“ Die Politik der offenen Grenzen – sie ist Fakt, wie auch immer man sie beurteilen mag.

Und seither fragen sich dieses Land, seine Bürger, seine Politiker, seine Ökonomen, seine Unternehmen: Wie genau, bitte schön, schaffen wir das?

Schon jetzt aber ist klar: Ob Deutschland diese gewaltige Aufgabe wuppt oder an ihr scheitert, das entscheidet sich am Arbeitsmarkt. Hunderttausende von Flüchtlingen müssen raus aus den Containerdörfern, den Turnhallen. Rasch! Rein in Arbeit! In ein eigenes Leben mit Perspektive.

Frank-Jürgen Weise, Chef der Arbeitsagentur und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, bringt die Sache so auf den Punkt: „Der beste Schlüssel zur Integration ist Arbeit.“

Klingt logisch. Und eigentlich scheint die Rechnung ja einfach. Deutschlands Unternehmen suchen Fachkräfte, Hunderttausende Stellen sind offen. Die Flüchtlinge suchen Arbeit. Also Bingo?

Berufliche Orientierung als erster Schritt ins neue Leben

Die Wahrheit aber ist: komplizierter. „Nicht einmal jeder zehnte Flüchtling bringt die Voraussetzungen mit, um direkt in eine Arbeit oder Ausbildung vermittelt zu werden“, warnte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles unlängst vor überzogenen Hoffnungen. Die Gründe: oft geringe Qualifikation, mangelnde Sprachkenntnisse, auch arbeitsrechtliche Hürden. „Flüchtlinge allein werden unser Fachkräfteproblem sicher nicht lösen“, bekennt auch Ingo Kramer, Präsident des Arbeitgeber-Dachverbands BDA.

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Man könnte sich jetzt verzagt die Decke über den Kopf ziehen. „Oder die Sache entschlossen anpacken“, sagt Heinz Brenner, Leiter des Regionalreferats Nürnberg-Erlangen beim Elektroriesen Siemens. In einem himbeerfarbenen Verwaltungsgebäude in Erlangen sitzt Brenner in einem fensterlosen Besprechungsraum. Er sagt: „Wir bieten Asylbewerbern hier zweimonatige Praktika.“

Moment, Praktika? Kaffee kochen und Post verteilen? An der Stelle wird Brenner nachdrücklich: „Die Teilnehmer arbeiten an realen Projekten, sogar in der Forschung.“ Zehn Praktikanten haben das Programm bislang durchlaufen. „Und die Erfahrungen sind gut, sodass wir 2016 bundesweit 100 Plätze anbieten werden.“

Ziel: „Jungen Leuten eine Perspektive bieten, Selbstsicherheit geben. Sie fit machen für den nächsten Schritt.“ Zusätzlich will Siemens an vier Standorten Förderklassen für Flüchtlinge einrichten. Und auch das Ausbildungsprogramm für sie öffnen.

Mehr geht nicht? „Wir sind ein Technologie-Konzern“, sagt Brenner. Professionelle Flüchtlingshilfe könne man nicht leisten. „Berufliche Orientierung schon. Und da tun wir alles, was wir können.“



Was Mut macht: Siemens steht mit seinem Engagement nicht alleine da. Ob Bayer, Evonik, Daimler, Porsche, Bosch, Deutsche Bahn, Telekom – zig Großkonzerne haben längst ähnliche Programme auf den Weg gebracht. Allein der Autobauer BWM will jetzt 500 Flüchtlinge durch ein Praktikum schleusen.

Die Wirtschaft also packt durchaus an. Arbeitgeber-Chef Kramer: „Die Unternehmen sind bereit, Flüchtlinge in großer Zahl zu qualifizieren, sie auszubilden, zu beschäftigen.“ Die Integration der Asylbewerber in den Arbeitsmarkt aber könne die Wirtschaft nicht alleine stemmen. „Die Politik muss auch die Voraussetzungen schaffen.“ Heißt: beschleunigte Verfahren, schnellerer Zugang zum Arbeitsmarkt, mehr Sprachkurse.

Einen guten Schritt weiter wäre man wohl schon, wenn die überforderte Flüchtlingsbürokratie endlich auf Ballhöhe wäre. Denn natürlich gibt es unter den Neuankömmlingen auch Top-Talente! Gut ausgebildet, motiviert. Problem: Keiner weiß, wo sie sind. Berufliche Qualifikationen, Schulbildung, nirgendwo wird das systematisch erfasst.

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Und deshalb, auch das ist deutsche Realität im Winter 2015, braucht es manchmal den Zufall, damit sich findet, wer sich sucht.Wie in Rheda-Wiedenbrück, Ostwestfalen. Nur einen Steinwurf von der A 2 entfernt liegt Deutschlands größter Schlachtbetrieb, das Tönnies-Fleischwerk. Eine imposante Kleinstadt aus weißen Fabrikhallen, pausenlos donnern Kühllaster vom gigantischen Werkgelände. Über 16 Millionen Schweine verwursten sie hier pro Jahr.

Über die sterilen Flure der Mega-Metzgerei huschen Arbeiter in weißer Schutzkleidung, Blutspritzer auf den Schürzen. Und in einem mit Computern vollgestopften Raum im Bauch der Fabrik steht der Syrer Muhammad Alhamwi vor einem Laptop und überwacht Produktionsprozesse. Seit ein paar Wochen ist der 26-jährige IT-Spezialist einer von etwa 6.000 Mitarbeitern am Standort.

Experten treten auf die Euphorie-Bremse

„Fester Job, gutes Gehalt, ein Jahr nach meiner Flucht vor dem Bürgerkrieg“ – für Alhamwi ein Sechser im Lotto. „Ich bin einfach dankbar.“ Nach seiner Ankunft in Rheda unterstützte er die Ausländerbehörde als Dolmetscher, hörte dort rein zufällig vom Bedarf des Fleisch-Imperiums an IT-Fachleuten. Dann ging alles fix: „Dienstag habe ich mich beworben, Freitag war ich eingestellt.“ Bleiben will er jetzt, bis eines Tages in Syrien die Waffen endlich schweigen. „Dann gehe ich mein Land aufbauen.“

Firma findet Top-Fachkraft im Flüchtlingsheim – im Moment ist das wohl eher selten. Und so tritt Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit, bewusst auf die Bremse: „Die meisten der Menschen, die zu uns kommen, sind nicht die Fachkräfte von morgen. Sondern die von übermorgen.“

Vorausgesetzt, sie haben bis dahin Deutsch gelernt. Und an ihren beruflichen Qualifikationen gefeilt.Das passiert aber nicht von allein. Und deshalb braucht dieses Land auch an dieser Stelle wieder Menschen, die anpacken.

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Wer erfahren will, wie man das anstellt, muss ins oberpfälzische Städtchen Schwandorf fahren.

Vor vier Jahren hat dort der Pädagoge Werner Nagler an der örtlichen Berufsschule begonnen, spezielle Flüchtlingsklassen aufzubauen. „Und ich hätte nie gedacht, welche Dimensionen das mal annimmt“, sagt er.

Bürstenschnitt, knautschiges Sakko, Bluejeans – der 60-jährige Pädagoge wirkt wie jemand, der im nächsten Moment mit einer Harley unterm Hintern in den Sonnenuntergang knattert. Dabei hat er nichts weniger vor, als sich aus dem Staub zu machen.

Mit federnden Schritten eilt Nagler über die Linoleumflure seiner Schule, reißt Klassentüren auf und ruft: „Hier, da drin entstehen Perspektiven, hier wird berufliche Zukunft gestaltet.“

An den Pulten: 20 junge Asylbewerber pro Klasse. Zwei Jahre lang werden sie hier intensiv beschult. „Zuerst legen wir unser Augenmerk auf die sprachliche Qualifikation, dann auf die berufliche Orientierung“, sagt Nagler. Dafür kooperiert die Schule mit Unternehmen, privaten und öffentlichen Bildungsträgern.

Keine leichte Aufgabe. Denn so unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer ist auch der Bildungsstand der Schüler. „In den Klassen sitzen Akademiker neben Schülern, die kaum einen Kuli halten können.“

Was aber nichts am großen Ziel ändert: „Wir wollen in Ausbildung vermitteln!“ Zuletzt unterschrieb immerhin ein Drittel der Abgänger einen Lehrvertrag, „im Handel, im Handwerk, auch ein Mechatroniker war dabei“, berichtet Nagler.

Der Erfolg hat sich herumgesprochen. Inzwischen existieren in Bayern 480 Flüchtlingsklassen nach Schwandorfer Vorbild.



Und da beginnt dann schon wieder das Problem. Zwar klappt die Integration von Asylbewerbern ins Schulsystem nirgendwo so gut wie in Bayern. „Aber auch wir können derzeit nur 30 Prozent der Jugendlichen ins Programm aufnehmen.“

Es mangelt an qualifizierten Lehrern

Nach dem Willen der Staatsregierung, so Nagler, soll es daher bald 1.500 Flüchtlingsklassen in Bayern geben. Das Geld dafür, so Nagler, stehe bereit. „Aber der Markt an qualifizierten Lehrern ist leer gefegt.“ Schon denkt man in der Staatskanzlei daran, pensionierte Lehrer zu reaktivieren. „Schnapsidee“, grantelt Nagler, die Unterrichtsqualität würde leiden, und für eine Sekunde scheint es, als suche er doch nach seiner Harley.

Zeit für ein Zwischenfazit. Eigentlich ist ja vieles da, was man braucht, um die Jahrhundertaufgabe zu wuppen. Privates Engagement. Eine Wirtschaft, die gesellschaftliche Verantwortung lebt, statt nur von ihr zu reden. Sogar genug Geld ist wohl da. Aber wenn all das am Ende doch nicht reicht für die Integration Hunderttausender – was dann?

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Vielleicht lohnt an dieser Stelle mal ein Besuch bei jemandem, der das alles schon hinter sich hat: Todesangst, Flucht, Integration. Die Reise geht ins Hamburger Grindel-Viertel. Studentisches Milieu, Bars und Kneipen – und der Fahrradladen von Tamim Azimi. „Der Laden hier ist mein Leben“, sagt der gebürtige Afghane.

Er war sechs, als ein paar Meter von ihm entfernt eine Bombe hochging, mit zwölf floh er vor der Gewalt am Hindukusch. Es folgte eine jahrelange Odyssee über Pakistan, Russland und Tschechien. Am Ende landete er in Deutschland – und seither packt er an, wie man nur anpacken kann. „Im Januar kam ich hier in die Schule, im Mai sprach ich Deutsch. Was soll schwer daran sein, diese Sprache zu lernen?“, fragt Azimi und speicht eine Fahrradfelge ein.

Feinwerktechnik hatte er studieren wollen nach der Schule, man ließ ihn nicht, „also habe ich mir geschworen: Jetzt zeige ich euch, was in mir steckt.“ Seither schläft er in keiner Nacht mehr als sechs Stunden. Er fuhr Taxi, lieferte Pizza und Zeitungen aus, immer mehrere Jobs gleichzeitig. Dann eröffnete er vor Jahren seinen ersten Laden. Mittlerweile hat er drei. Und acht Angestellte. „Als Flüchtling musst du fleißiger sein als die Einheimischen, sonst schaffst du es hier nicht.“

Der Preis: Bandscheibenvorfall, Herzinfarkt, Schlaganfall. Bisschen viel mit gerade 38 Jahren, oder? „Ich stehe immer wieder auf. Und an dem Tag, an dem ich nicht arbeite, bin ich tot.“

Bis auf das nackte Leben alles verloren

Der Existenzgründer Azimi – ein Bilderbuch-Flüchtling? Vielleicht. Aber Fakt ist auch: 2013 hatte jeder fünfte Gründer in Deutschland laut Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Migrationshintergrund! Der Ökonom Professor Rolf Sternberg von der Uni Hannover glaubt gar: „Der Flüchtlingszustrom ist eine Chance, das Gründungsgeschehen bei uns nachhaltig zu beleben.“

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Langer Marsch: Dilo Hamsero trägt seinen Sohn auf den Schultern. Das Handyfoto entstand während der Flucht auf der Balkanroute. Foto: Privat
Langer Marsch: Dilo Hamsero trägt seinen Sohn auf den Schultern. Das Handyfoto entstand während der Flucht auf der Balkanroute. Foto: Privat

Große Worte. Aber „Existenz“ – darunter verstehen wohl die meisten Flüchtlinge gegenwärtig was völlig anderes. Auch der Syrer Dilo Hamsero. „Das nackte Leben! Das haben wir noch. Alles andere ist verloren.“

Daheim in Aleppo, da hatte der 26-Jährige alles: „Einen Handel für Autoteile, Angestellte, ein gutes Leben.“ Bis die Bomben fielen und seine Freunde zerfetzten. „Da war uns klar, dass wir sterben müssen. Oder fliehen.“ Jetzt sitzt Hamsero in einer Flüchtlingsunterkunft in Essen. Mit Frau und drei Kindern teilt er sich ein zugiges Klassenzimmer in einer alten Schule mit einer weiteren Familie.

Seine Zukunft? „Ich will schnell Deutsch lernen, arbeiten, egal was.“ Anpacken will auch er. Und kann doch erst mal bloß auf einen Termin beim Amt warten.

Er bete jetzt viel, sagt er: dafür, dass er erfüllen kann, was man hier von ihm erwartet. Aber am Abend, wenn es still wird im Essener Flüchtlingsheim, dann betet Dilo Hamsero noch für etwas anderes. Dann bittet er Allah darum, dass der Krieg in Syrien endlich aufhört. „Dass wieder Frieden herrscht. Und die Feuer ausgehen.“


O-Töne: „I have this dream …“

Angekommen in Deutschland. Und jetzt? Wie geht es weiter? Wir haben Flüchtlinge gefragt, wie sie sich ihre Zukunft in der neuen Heimat vorstellen.

Alaa Ammar. Foto: Straßmeier
Jussuf Hassan. Foto: Roth
Kamal Ayaanle. Foto: Roth
Mohammed Al Kwifi. Foto: Straßmeier
Rahwa Grmay. Foto: Roth
Sakar Noh. Foto: Straßmeier

Als die Deutschen ihr Land verließen: Ein Museum macht Geschichte erlebbar

Bremerhaven. Irgendwann hatte sie genug von all der Armut, dem Elend. Die junge Frau fasste einen Entschluss – auswandern! In ein fremdes, fernes Land.

Sie war ein Wirtschaftsflüchtling. Aber nicht aus dem Kosovo, nicht aus Albanien. Sondern aus Geestemünde, Norddeutschland. Ihr Name: Martha Hüne. Das Jahr: 1923. Lange her. Aber ihre Geschichte kann man hautnah erleben – im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven. Kernbotschaft des Museums: Bis in die 70er-Jahre verließen von Bremerhaven und Hamburg aus insgesamt 13 Millionen Deutsche ihre Heimat. Aus ebenjenen Gründen, die heute Menschen zu uns führen.

Anhand von 34 realen Familienschicksalen erzählt das Auswandererhaus 300 Jahre deutsche Migrationshistorie. Während des Rundgangs erfährt der Besucher die Lebensgeschichte jeweils eines Auswanderers. Und lernt so die ganz unterschiedlichen Ursachen kennen, aus denen sich Menschen entschlossen, der Heimat den Rücken zu kehren. Von wirtschaftlicher Not bis zur nackten Angst ums eigene Leben.

Zum Einsatz kommt dabei moderne Museumstechnik: Mit einer Chipkarte bedient man Audiostationen, die Informationen zu den individuellen Migrantenbiografien vermitteln.

Martha Hüne, die sich kurz vor Weihnachten 1923 an Bord der „München“ auf den Weg nach New York machte, war auch in der Neuen Welt das Glück nie wirklich hold. 1985 kehrte sie zurück nach Bremerhaven, wo sie zwei Jahre später starb.

dah-bremerhaven.de

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